Studientag im Juni 2024

 

„Kontakt und Beziehung- ein energetischer Workshop, der Kräfte weckt“

Leitung: Josef Lutz
Bericht: Kirsten Barabas
Unser diesjähriger Studientag am 15.06.2024 stand unter dem Motto "Kontakt und Beziehung - ein energetischer Workshop, der Kräfte weckt" und wurde von unserem Kollegen Josef Lutz aus Freiburg geleitet. Zahlreiche Mitglieder unserer Gesellschaft und einige Gäste nahmen daran teil. Wir kamen in Mannheim in der geräumigen Praxis von Thomas Heinrich zusammen, der traditionsgemäß seine Räume für den Studientag zur Verfügung stellte und auch für unser leibliches Wohlergehen in den Pausen sorgte.
Wie können wir mit Negativität in unseren Beziehungen, vor allem zu unseren KlientInnen, umgehen? Diese Frage stellte Josef in den Mittelpunkt des Studientags.
Frustrationen und Wunden entstehen in Beziehungen, auch in der therapeutischen Beziehung; dies war für Josef der Ausgangspunkt seiner Reflexionen. Er bezog sich dabei vor allem auf den Artikel von Vita Heinrich-Clauer zum Thema Negativität1, den sie bei der IIBA-Konferenz in Portugal 2019 vorgestellt hatte. 2
Unter Negativität versteht Heinrich-Clauer unsere Schattenseiten oder auch Täter-Introjekte. Sie entstehen in unseren Primärbeziehungen durch massive „Grenzverletzungen körperlicher und/ oder seelischer Art3 durch die Bezugspersonen, die auf das Kind traumatisierend wirken4. Mit dem Ziel uns zu schützen und nicht von den geliebten Menschen abgelehnt und verlassen zu werden, verlagern wir unseren Protest und Hass nach innen und entwickeln dadurch unsere dunklen Seiten. Wir verinnerlichen die „unbewussten dämonischen Haltungen des Elternteils, der uns bedrohte5, die sich als Selbsthass und Selbstabwertung bemerkbar machen.
Die Voraussetzung für die Arbeit mit den unbewussten, abgespaltenen Schattenseiten der KlientInnen besteht darin, dass wir uns als TherapeutInnen unserer Täter-Introjekte bewusstwerden und sie während unserer Selbsterfahrungsprozesse in Therapie und Supervision integrieren können. Denn das Aufeinandertreffen der Schattenseiten, der abgespaltenen, unbewussten Aggressionen zweier Menschen kann so viel Sprengstoff enthalten, dass dies zu einem Beziehungsabbruch führen kann.
Wie steht es bei uns TherapeutInnen mit unseren Schattenseiten? Josef lud uns durch eine Imaginationsübung ein, uns unserer unbewussten destruktiven Impulse gewahr zu werden. In der Übung konnten wir unseren gedanklichen, emotionalen und körperlichen Reaktionen auf negatives Verhalten von KlientInnen (z.B. wenn KlientInnen einfach wegbleiben, ein Abbruch der Beziehung entsteht) nachspüren.
In der anschließenden Diskussion ging es auch um die Frage, wie wir unseren KlientInnen helfen können, sich ihrer Schattenseiten bewusst zu werden und sie zu integrieren. Wenn KlientInnen von abwertenden inneren Stimmen in Besitz genommen oder sich von dem Bild der entwertenden Bezugsperson verfolgt fühlen, schlägt Vita Heinrich-Clauer einerseits Rituale der Externalisierung dieser destruktiven Person-Anteile durch Malen oder Gestalten eines Aggressionsobjektes vor. Andererseits ist für sie die Arbeit mit der Stimme ganz wichtig. Denn durch das Unterdrücken von Weinen, aber auch die Unterdrückung von Wut, Widerwillen und Ekel entsteht eine Blockierung des gesamten Mund-Hals-Rachen-Segments. Durch den stimmlichen Ausdruck dieser Gefühle zum Beispiel durch das Herausstrecken der Zunge, begleitet von Tönen, können die KlientInnen sich als selbstwirksam in der therapeutischen Beziehung erfahren, und die körperlichen Blockaden können gelockert werden.6
Im Anschluss an die Diskussion gab Josef uns die Gelegenheit, das Thema „Kontakt und Beziehung“ ganzheitlich durch Körperübungen selbst zu erfahren. Dazu lud er uns ein, zunächst in eine tiefe Verbindung mit uns selbst zu treten. Unsere morgendliche Steifheit fing er geschickt dadurch auf, dass das Aufwärmen aller Gelenke seinen Anfang im Sitzen nahm. Wieder einmal überraschte er uns damit, wie vielfältig es möglich ist, sogar im Sitzen auf einem Stuhl in Bewegung zu kommen! Eine schöne Anregung für unsere eigene Praxis, wo doch auch unter unseren KlientInnen immer mehr Menschen sind, die einen sitzenden Lebensstil pflegen und entsprechend oft Widerstände gegenüber Bewegung mitbringen. Durch Einladungen wie „Lass dich atmen“ und „Gönne dir weiche Knie“ inspirierte Josef uns wieder auf seine einfühlsame und humorvolle Weise.    
Zum Mittagessen begaben wir uns in ein nahegelegenes griechisches Restaurant, wo wir bei hervorragendem Essen in einem liebevoll mit Pflanzen und Blumen gestalteten Ambiente auch Gelegenheit hatten, uns kollegial auszutauschen und einander besser kennen zu lernen.
Geschickt wusste Josef dann unser Ruhebedürfnis nach dem Mittagessen zu nutzen, indem er uns hier zu einer weiteren Vertiefung der Selbst- Erfahrung durch einen Bodyscan im Liegen einlud.
Im zweiten Teil des Nachmittags folgten dann Übungen, mit denen wir uns im Kontakt zum anderen erproben konnten. Hier ging es darum zu erspüren, wie eine begrenzende Aktion des anderen auf uns wirkt und was im Unterschied dazu bei einem freundlichen Kontakt im Körper passiert.
Hier knüpfte Josef noch einmal an den Vortrag von Vita Heinrich-Clauer an. Denn letztlich geht es ja darum, im therapeutischen Prozess die unbewussten aggressiven Anteile bewusst zu machen und dadurch ihre ursprüngliche Kraft als Lebensenergie für die KlientInnen wieder nutzbar zu machen.7 Anders als bei einer Abgrenzung im Sinne einer Zurückweisung oder sogar eines Beziehungsabbruchs kann uns die Erfahrung von Grenzen helfen, selbst-bewusster zu werden und dadurch erwachsener in Kontakt zu anderen zu treten. Die Übungssequenzen wurden jeweils durch eine Austauschphase abgeschlossen, durch die wir unsere Erfahrungen noch einmal reflektieren und durch den Austausch auch vertiefen konnten. Gegen 17 Uhr endete der Studientag. Vielen Dank an unseren Referenten Josef Lutz für diesen inspirierenden und bereichernden Tag!

[1] Vita Heinrich-Clauer: Begegnungen der Schattenseiten. Arbeit mit Negativität im therapeutischen Prozess. In: Baum, Marion (Hg.): Forum Bioenergetische Analyse 2019. Gießen 2019. S. 7-25
[2] Video des Vortrags auf youtube: https://tinyurl.com/mv2pb5ya (Stand 20.10.2024)
[3] Heinrich-Clauer, 2019, S. 9
[4] Diese können bestehen in körperlicher Gewalt wie Schlägen und intrusivem Verhalten, sexueller Gewalt, Unterlassung von Hilfeleistung mit traumatisierenden Folgen, verbaler Gewalt wie Abwertungen, Beschämungen, sadistischen Verhaltensweisen, dem Alter des Kindes nicht angemessenen Ansprüchen; Heinrich-Clauer, 2019, S. 10.  
[5] Ebd.
[6] Heinrich-Clauer, 2019, S. 20-21.
[7]Die emotionale Lösung geschieht, indem wir unsere Schattenseite (den Eltern-Teufel in uns) umarmen und energetisieren, um deren Kraft in unser bewusstes Selbst zu übernehmen.“ (Heinrich-Clauer 2019, S. 7).

 

Studientag im Mai 2019

 

Körperarbeit, Selbstfürsorge und Meditation

Leitung: Lolit Neef

Bericht von Karl-Heinz Schubert

Am 4. Mai 2019 fand der alljährliche Studientag in Mannheim in der Praxis von Thomas Heinrich statt, an dem sowohl Mitglieder der SGfBA als auch Gäste teilnahmen. Im Zeitraum 10.30-17.00 Uhr wurden wir von unserer Kollegin Lolit Neef inhaltlich qualifiziert und im Ablauf gut strukturiert achtsam und fürsorglich durch den Tag geführt.

Ihr Thema war: „Körperarbeit, Selbstfürsorge und Meditation – Verkörperung von Wohlbefinden, Verbundenheit und Bewusstsein“. Am Vormittag bis zum gemeinsamen Mittagessen in einem nahe  gelegenen Restaurant stellte Lolit Neef einige Basic-Übungen aus dem „Zapchen“ vor – eine von Julie Henderson gelehrte körperorientierte Übungsreihe, die Körperarbeit und Elemente aus dem Tibetischen Buddhismus verbindet. Julie Henderson hat neben ihrer Ausbildung zur Bioenergetikerin weitere Qualifizierung im Bereich psychologischer Beratung und wurde vor allem auch durch mehrere tibetische Lamas tiefgreifend beeinflusst.

Das Wort „Zapchen“ ist aus dem Tibetischen übernommen. Diese Methode ist eher ein körperlich-spiritueller Ansatz. Sie hat keinen therapeutischen Anspruch und ersetzt nicht, sich mit behindernden, hemmenden oder vertrackten inneren Situationen tiefgehender zu beschäftigen, wie es z.B. in der Bioenergetik geschieht. Es kann jedoch gewinnbringend eingesetzt werden bezüglich folgender Themen: Körpergrenzen, sich selbst spüren, aus einem körperlichen Gewohnheitsmuster heraus kommen, anderes spüren,  ins JETZT kommen, auf spielerische Weise ins Lachen und in tieferes Atmen kommen. Auch gibt es Erfahrungen, dass es in der Arbeit mit Jugendlichen gut eingesetzt werden kann.

Zur „Zapchen“-Methode gehört es dazu – und ist laut Julie Henderson vielleicht die wichtigste Übung von allen – nach einigen Übungen ein Nickerchen zu machen. Sie sagt, dass ohne das Einnicken die Übungen nur Arbeit, Aufgabe oder Anstrengung sind. Der Körper könne im Nickerchen verinnerlichen, was aus der Übung zu lernen ist. Durch das Nickerchen lernen wir schneller, tiefer und dauerhafter, ganz unabhängig von der Tätigkeit. Dies sei auch  durch Forschungen zu Stress von Hans Seyle untermauert sowie auch durch die Arbeit von Milton Erickson, der herausgefunden habe, dass das, was wir in veränderten Bewusstseinszuständen lernen (und da gehört der Schlaf/das Nickerchen dazu), tiefere Schichten unseres Gehirns und unserer Körpersysteme anspricht. In diesem Sinne ließ uns Lolit öfters auf dem Boden liegend „Nickerchen“ üben, was von uns allen in der dabei begleitenden Stille als angenehm, entspannend und erfrischend erlebt wurde.

Das vorab gut organisierte gemeinsame Mittagessen (13.00-14.30 Uhr) ermöglichte, sich auf kollegialer und privater Ebene auszutauschen und sich (noch mehr) kennenzulernen. Der Nachmittag des Studientages bis 17 Uhr gehörte der Erforschung der Frage, wie Meditation und Körperarbeit verbunden werden können und wie Spiritualität als Körpererfahrung ermöglicht werden kann. Hierzu wurde wieder unter Anleitung von Lolit geübt und erlebt – durch eine Verbindung im Kreis, stilles Sitzen, anschließende Körperübungen und eine Sharing-Runde, in der das Erlebte geteilt werden konnte.

Es war eine lebendige Gemeinschaft von uns Kolleginnen und Kollegen, in der wir uns achtsam und (selbst-) fürsorglich bewegten und uns gleichzeitig respektvoll und neugierig von Lolit thematisch unterrichten und führen lassen konnten. Am Schluss gab es ein herzliches Dankeschön an Lolit und auch an unseren Gastgeber Thomas Heinrich, der uns einen guten Rahmen gegeben und uns mit Speise und Trank sowie einer schönen Atmosphäre versorgt hat.


 

Studientag im April 2016

 

Bericht von Josef Lutz

Der Studientag, das möchte ich vorweg nehmen, war einfach super! Körperübungen, Vorträge, Diskussionen und kollegiale Gespräche wechselten sich ab, sodass der Tag wie im Flug verging. Nach den aufweckenden und beziehungsfördernden bioenergetischen Körperübungen, die von Kirsten Scheja angeleitet wurden, kamen wir zum Vortrag von Rainer Mahr.

Rainer, mit Saxophon, hielt einen spannenden Vortrag über das Verhältnis von emotionalen und kognitiven Behandlungsaspekten in der psychotherapeutischen Arbeit. Er sprach von seinen Erfahrungen, wie viel kognitive Arbeit notwendig ist, bis er seinen Gefühlen Ausdruck geben, sie durch das Instrument fließen lassen kann. Am Beispiel des Erlernens eines Musikinstrumentes, in diesem Fall des Saxophones, sprach er davon, wie wichtig in unserer Arbeit die kognitiven Aspekte sind, die Reflexion dessen, was in der Therapiestunde erlebt wurde, sowie die Planung von zukünftigen Schritten. Genauso bedeutsam ist es, wie wir dies in unsere therapeutische Arbeit modifizieren können. Dies sei überaus bedeutsam für die Entwicklung in der Therapie, um zu wachsen, zu lernen und für das Verändern der Persönlichkeit. Emotionen, Gefühle, Affekte haben keinen Wert an sich, sind weder gut noch schlecht. Sie signalisieren dem Organismus, dass er etwas braucht, Gefahr droht oder sein System rund läuft. Diese Informationen führen dazu, Alternativen zu überlegen. Ideen und Gedanken darüber, was man tun müsste oder könnte, sind natürlich auch nicht hilfreich, wenn es zu keinem entsprechenden Verhalten kommt: Das Hungergefühl zwingt mich, darüber nachzudenken, wie ich den Hunger stillen kann. Diese Gedanken allein machen mich aber noch nicht satt. Emotionen, Kognitionen und Verhalten bilden eine untrennbare Einheit. Keine Psychotherapie kommt ohne diese drei Aspekte aus. Lediglich der Zugang kann einmal von den Emotionen ausgehen, von den Kognitionen, oder vom Verhalten. Der lebendige Vortrag inspirierte uns zu einer angeregten, fachlichen Diskussion.

Anja van der Schrieck-Junker bildete uns weiter zu dem Thema: Körperpsychotherapie mit alten Menschen. Hierbei ging es darum die Mobilität älterer Menschen zu erhalten bzw. zu verbessern. Die Einschränkungen, unter denen ältere Menschen leiden, machte sie uns mit selbsterfahrenden Übungen deutlich. Danach folgte ein fachspezifischer Austausch.

Wir hatten einen emotionalen und spannenden Studientag, der unter der Anleitung von Karl-Heinz Schubert mit OHMM endete.